2021


 

März/April

Sobald die Witterung es zulässt, entfernen wir die letzten Fruchtmumien aus den Baumkronen. Im Herbst werden sie oftmals übersehen, da noch welke Blätter an den Zweigen sind. Sie sind Träger vieler Krankheitserreger. Moos und Flechten signalisieren ein biologisch gesundes Medium, aber sie speichern Feuchtigkeit und diese könnte das Eindringen von Schaderregern begünstigen. Man kann sie schonend mit einem Spachtel entfernen. Bitte keine Drahtbürste verwenden! In extremen Fällen habe ich eine schwache Kalklösung angerührt und die frei geschabten Flächen zusätzlich eingesprüht. Man kommt so auch an schwer zugängliche Ritzen und Stellen. Nach ein paar Anwendungen war die Rinde wieder kahl. Es reicht, wenn der Stamm und die Basis der untersten Äste gereinigt sind. Besonders wichtig sind die Stellen, an denen herabrinnendes Regenwasser nur langsam abtrocknen kann.

Wenn der Boden über Winter durchgehend gefroren war, so ist jetzt höchste Zeit, um die letzten Bäume zu pflanzen. Wenn es in unteren Bodenschichten aber eisig glitzert, noch ein wenig abwarten.

Zu diesem Zeitpunkt nur die Bäume schneiden, deren Wuchs man anregen möchte. Im März schneide ich nur am Kernobst (Apfel, Birne, Quitte), das Steinobst muss noch warten, bis der Saftfluss besser in Schwung kommt. Um den Stamm und an seiner Basis werden nun alle wilden Triebe entfernt. An Bäumen im Ertragsalter sollten jetzt nur die Zweige und Äste entfernt werden, die störend kreuz und quer durch die Krone wachsen beziehungsweise mit dem Wuchs von außen nach innen die Krone verdichten. Krankes und totes Material entfernt man kompromisslos. Eine Wundbehandlung ist bei robusten Sorten nicht erforderlich. Bei größeren Wunden und anfälligen Sorten, zum Beispiel bei edlem Tafelobst, kann man eine ganz dünne Schicht auftragen. Es gibt nichts Schlimmeres als ein Wasserbeutel über einer Schnittwunde!

Wenn vorhandene Pfirsichbäume im Vorjahr von der Kräuselkrankheit geschwächt wurden, kann man spätestens jetzt mit einer Austriebsspritzung dagegenwirken (am einfachsten mit einem biologischen Mittel aus dem Fachhandel; Anm. d. Red.). Die Erreger überwintern direkt auf der Knospe, sozusagen an Ort und Stelle.

Beerenobst sollte man jetzt auch kontrollieren und krankes sowie altes Material entfernen. Gleichzeitig kann man den ganzen Strauch auslichten. Alte Triebe sind leicht an abgelösten Rindenschichten, am dickeren Holz und an daran haftendem Moos und Flechten zu erkennen.
 





Den Baumschnitt am Kernholz kann man jetzt beenden und am robusten Steinholz, wie Zwetschgen und Sauerkirschen, beginnen. Süßkirschen und Mirabellen lasse ich noch warten.



Neupflanzungen vom Herbst oder vom zeitigen Frühjahr brauchen jetzt ihren Pflanzschnitt, unabhängig von anderen Risiken. Die hier relativ kleinen Wunden kann man mit künstlicher Rinde gegen das Eindringen von Pilzerregern schützen.

Wer beim Baumschnitt noch im Zweifel ist, welche Zweige Fruchtknospen und welche nur Holzknospen tragen, kann bis zur Blüte abwarten. Den Bäumen schadet das nicht. Zu diesem Zeitpunkt wird ganz bestimmt kein verkehrter Zweig entfernt. Das Gleichgewicht zwischen Austrieb und Ertrag sollte aber gewährt sein.

Blattläuse beziehungsweise die winterfesten Eier merken jetzt auch, dass es wieder losgeht. Sie warten schon auf die zarten Blättchen. Wenn der Befall im Vorjahr störend war, kann man jetzt mit einer Austriebsspritzung mit biologischen Mitteln aus dem Handel vorbeugen. Leimringe gegen Ameisen kann man schon vor jedem Schaden durch Blattläuse am Stamm anbringen.

In der ersten Vegetationshälfte sind die kleinen Plagegeister besonders hartnäckig, alles kümmert sich jetzt um die Fortpflanzung, und die Widerstandskräfte der Bäume sind noch nicht ganz aktiviert. Ein genaues Beobachten des Geschehens ist daher in dieser Zeit ganz wichtig.
Gegen Pilze, Insekteneier und anderes „Kleinzeug“ habe ich ein nebenwirkungsfreies Universal-Zaubermittel: Ackerschachtelhalm. Der Sud daraus lackiert alles zu, wenn ich nicht achtgebe, sogar meine Schutzbrille. Bei Bedarf füge ich noch ein wenig Kalk dazu.

Im April kann man das verbliebene Restmaterial der Mulchschicht von den Baumscheiben entfernen und den Boden ein paar Wochen frei atmen lassen. Der Komposthaufen sollte jetzt durchgesiebt werden; das Restmaterial ist sehr gut geeignet, um eine neue Mischung anzusetzen.

Eventuell eingenistete Krankheitserreger von der alten Mulchschicht landen so in dem großen Gartenmixer der Verrottung und haben keine Chance, um Schaden im Obstgarten anzurichten. Das gesiebte Kompostmaterial kann jetzt, in einer Mischung mit Gesteinsmehl und Hornspänen, auf die Baumscheiben ausgebracht und mit der obersten Erdschicht durchmischt werden. Bei steigender Bodentemperatur und ausreichender Feuchtigkeit vom letzten Winter müsste das für die Bodenfruchtbarkeit optimal sein.

Ich wünsche Ihnen und den Bäumen ein optimales Blühwetter und einen munteren Bestäuberflug!


Januar/Februar


 

Obstbaumpflanzung vorplanen
Soll der eine oder andere Obstbaum demnächst gepflanzt werden, muss man früh genug, am besten im Januar, Art, Sorte und gegebenenfalls Unterlage bestimmen und baldmöglichst auch den Baum oder die Bäume bei einer guten Gartenbaumschule bestellen. Geplante Pflanzung von Obstgehölzen gleich nach dem Winter kann eventuell schon vorbereitet werden – falls der Boden offen ist – mit Ausheben der Pflanzgrube, Verbesserung des Aushubs und Einschlagen des Pfahls. 


Wichtige Pflegemaßnahmen
Bei frostfreiem Wetter widmet man sich der Gehölzpflege, lichtet zu dichte Kronen aus, setzt zu hoch gewordene zurück, entfernt Wasserschosse oder Abgestorbenes. Man überprüft, ob Stützpfähle noch den nötigen Halt geben, und lockert eventuell Baumbänder, die mit der Zeit zu stramm sitzen. Spätestens Mitte Januar werden Stämme und größere Hauptäste mit weißem Anstrich gegen Frostschäden versehen. Spalierobstbäume sollten bei scharfem Frost etwas geschützt werden.
 




Edelreise schneiden
Sollen Obstbäume veredelt oder umveredelt werden, sind im Januar bei völliger Winterruhe die Edelreiser zur Pfropfung hinter die Rinde im Frühjahr zu schneiden und an einem kühlen, schattigen Platz in feuchtem Sand einzuschlagen. Anschriften von Reisermuttergärten, die virusfreies/virusgetestetes Reisermaterial liefern, erfährt man von Landwirtschaftskammern oder entsprechenden Instituten.

Schnittarbeiten beenden
Im Obstgarten werden bis Ende des Monats Erziehungs-, Auslichtungs- und Verjüngungsschnitte an Obstgehölzen beendet, nicht weil nicht auch noch später geschnitten werden könnte, sondern weil im März so viel anderes zu tun ist, dass dann ein unter Umständen nötiger Schnitt unterbleibt. 

Gegen Frostspannerraupen, die früh aus den Eiern schlüpfen, sind umweltverträgliche Präparate auf der Basis von Bazillus thuringiensis ausreichend wirksam.

Pflanzarbeiten gehen weiter
Weitgehend unabhängig von der Witterung können Obstgehölze gepflanzt werden. Allerdings muss die Erde frostfrei sein. Zunächst sind vorrangig früh treibende Arten dran wie Stachel- und Johannisbeere, Pfirsich, Mandel, Aprikose. Es folgen Pflaumen und Kirschen, zuletzt Birnen und Äpfel.
 

2020


November/Dezember


Obstbaumpflanzung vorbereiten
Besonders in trockeneren Regionen eignet sich die frostfreie Zeit zu Winterbeginn gut für die Obstbaumpflanzung. Bei Bodentemperaturen über dem Gefrierpunkt können sich Feinwurzeln ausbilden, die zu Vegetationsbeginn die Wasser- und Nährstoffversorgung der Obstgehölze unterstützen. Eine sorgfältige Pflanzvorbereitung trägt zum guten Gelingen bei.

In schweren, tonigen Böden besteht die Gefahr von Bodenverdichtungen, die zu „Atemnot“ im Wurzelsystem führen und eine geregelte Wasser- und Nährstoffaufnahme unmöglich machen. Die Bäume verkümmern wie bei Wassermangel.

Neben gutem Bodenschluss brauchen die Obstgehölze auch genügend Sauerstoff im Boden, damit die Wurzeln wachsen und Wasser und Nährstoffe erschließen können. Besonders bei schweren Böden ist daher ausnahmsweise eine sogenannte Frostgare vor der Pflanzung hilfreich, die aus einem klotzigen, dichten Boden eine feine, lockere Pflanzerde erzeugt. Dazu muss der Boden vor dem Frost umgegraben, gespatet oder zumindest die Pflanzlöcher ausgehoben werden.





Umpflanzungen von Obstbäumen
Wenn Umpflanzungen von Obstbäumen erforderlich sind, ist jetzt im Spätherbst der optimale Zeitpunkt. Die Wurzelentwicklung ist besonders aktiv und findet bei Bodentemperaturen ab plus vier Grad Celsius statt, sodass sich die Pflanzen bis zum Austrieb im nächsten Frühjahr gut etablieren können.
 
Junge Bäume (bis zu vier Jahre Standzeit) lassen sich in der Regel problemlos verpflanzen. Je älter der Baum, je länger er an einem Standort war und je starkwüchsiger die Unterlage beziehungsweise weitverzweigter der Wurzelraum ist, desto riskanter ist die Aktion. Das Entscheidende ist, einen ausreichenden Anteil an Feinwurzeln (zuständig für die Wasser- und Nährstoffaufnahme) zu erhalten. Da sie sich größtenteils am äußeren Wurzelbereich befinden, gilt: Je größer der ausgestochene Ballen, desto besser.

Um auch ältere Bäume verpflanzfähig zu halten, ist es ratsam, bereits im Vorfeld (ab Pflanzung alle zwei bis drei Jahre) den Wurzelraum zu umstechen. So bilden sich an den Schnittstellen feine Haarwurzeln und das Wurzelwachstum wird insgesamt kompakter und entwickelt sich näher um den Stamm herum.

Bei größeren Bäumen sollte im Herbst (spätestens Frühjahr) vor der geplanten Umpflanzung ein Graben im genannten Abstand um den Stamm herum ausgehoben werden, um auch die tiefer liegenden Wurzeln zu kappen. Den Graben mit lockerer Gartenerde auffüllen und feucht halten.

Beim Verpflanzen ist ein scharfer Spaten zu verwenden und darauf zu achten, dass möglichst wenig Erde und mit ihr feine Faserwurzeln vom Wurzelballen abfallen. Zum Transport kann der Ballen mit Jute oder dicker Folie umwickelt werden. Den Baum möglichst bald in das vorbereitete Pflanzloch verbringen. Gut fixieren (Pfahl) hilft dem Baum beim Einwurzeln.





Herbsthimbeeren: Sorten und Pflege
Herbsthimbeeren werden vom Himbeerkäfer verschont und die Rutenkrankheiten sind nicht relevant. Bis zu den ersten Frösten reifen die Früchte, in milden Lagen bis Dezember, in Jahren mit später Vegetation beginnt die Ernte erst im August. Gibt es zudem früh starke Fröste, fallen die Erträge deutlich niedriger aus als bei Sommerhimbeeren. 

Herbsthimbeeren fruchten im oberen Teil der diesjährigen Triebe. Alle Ruten werden im März vor dem Austrieb dicht am Boden abgeschnitten. Bereits im Dezember, wenn keine reifen Früchte mehr zu erwarten sind, schneidet man alle Triebe auf zehn Zentimeter Länge ab. Um die sich noch entwickelnden Adventivknospen nicht zu stören, entfernt man die Stummel in einem zweiten Arbeitsschritt erst im März. 

Kompost, Rindenhumus oder Laub schützen die Wurzeln vor dem Austrocknen und aktivieren das Bodenleben. Die Auflage sollte nicht höher als fünf Zentimeter sein, sodass die Triebreste noch gut erkennbar sind. Die Himbeerwurzeln bleiben im Winter aktiv und können sich ausbreiten, es treiben mehr Ruten im Frühjahr aus.

Die bekannteste Herbstsorte ist ´Autumn Bliss´ mit der gelben Selektion ´Golden Bliss´. Die Sorte ´Polka´ aus Polen hat runde, aromatische Früchte. Die aufrechten Ruten wachsen 120 bis 160 Zentimeter hoch und benötigen nur eine niedrige Unterstützung. ´Polka´ reift etwas nach ´Autumn Bliss´ und ist ertragreicher. ´Himbo Top®´ aus der Schweiz reift zehn Tage nach ´Autumn Bliss´. Die großen, kegeligen, sehr aromatischen Früchte bleiben entsprechend hellrot. Die Ruten werden knapp zwei Meter hoch.