2021


Mai/Juni

Die Bougainvillea gehört zu den Wunderblumengewächsen. Die Pflanze liebt über alles Sonne und Wärme. Ohne ausreichendes Quantum davon geht nichts. Während des sommerlichen Aufenthaltes im Freien braucht sie darum einen möglichst sonnigen, warmen Platz. Deswegen werden Bougainvilleen gern vor Südwänden oder Südmauern platziert, wo die Sonne sie nicht nur von vorne bescheint, sondern ihnen indirekt auch den Rücken wärmt. An solchen Plätzen haben die Pflanzen gewaltigen Durst und bei flottem Wachstum großen Nährstoffbedarf, müssen deswegen im Sommer mitunter sogar zweimal täglich gegossen und etwa alle acht Tage am besten flüssig gedüngt werden. Sollte eine Pflanze mäßig blühen, wurde sie eventuell mit zu reichlichem Gießen und Düngen davon abgehalten. Dann muss man sie eine Weile kürzerhalten.

Bougainvillea glabra wirft je nach Umständen ihre Blätter im Herbst ab oder behält sie teilweise, ist demnach halbimmergrün. Ab Ende September wird sie ziemlich trocken gehalten. Man achte sehr darauf, dass sie im Herbst nicht zu nass steht und zusätzlich frühen Frost aushalten muss. Daher schützt man zum Schluss vor Kälte und Regen.



Wird es endgültig ungemütlich draußen, kommt die Pflanze im Haus an einen kühlen, nur fünf, höchstens acht Grad Celsius warmen, möglichst hellen Platz. Während des Winters wird nur so viel gegossen, dass das Substrat nicht austrocknet, und selbstverständlich nicht gedüngt. Bei Triebbeginn im Nachwinter topft man in frisches, kräftiges, lehmhaltiges Substrat und eventuell größeres Gefäß um, schneidet gegebenenfalls zugleich mehr oder weniger kräftig zurück, damit die Pflanze kompakt bleibt. Während der Wachstumszeit dient rechtzeitiges Kürzen entstehender Langtriebe demselben Ziel. 



Im Garten leben viele Pflanzen ziemlich eng beieinander, oft auf Sichtweite. Enges Nebeneinander geht indes nicht immer gut, denn manche Pflanzen trennen Welten. So geht es Fieberklee und Günsel, Fieberklee als Staude für die Flachwasserzone, Günsel für Randzonen mit frischem Erdreich. Günsel würde im Standort von Fieberklee ertrinken, Fieberklee im Reich von Günsel verdursten. Nur ein paar Zentimeter trennen mitunter die beiden Bezirke voneinander. Gartenbesitzer müssen deswegen möglichst immer wissen: Welche Pflanze pflanze ich wo?  



Fieberklee, (Menyanthes trifoliata) ist im nördlichen Europa und ähnlichen Gebieten beheimatet. Wassertümpel in Mooren oder sonstige Teiche sind sein Revier, wo er die Flachwasser- oder Uferzone mit einer Wassertiefe bis 30 Zentimeter besiedelt. Fieberklee heißt dies Gewächs, weil es medizinisch genutzt werden kann bei fiebrigen Erkältungen und dergleichen, was jedoch inzwischen ziemlich selten geschieht. Als Klee wird er bezeichnet, weil seine Blätter kleeähnlich sind, nur wesentlich größer und fetter. Die Pflanze wurzelt im Teichgrund mit hohlen Stängeln, bildet Grün über dem Wasser, im Juni Blütenähren, die nur etwa 30 Zentimeter hoch werden, also wenig auffällig sind, deren weiße Blüten sich bei genauerem Hinsehen als überraschend reizvolle, gewimperte Schönheiten herausstellen.  

Ganz nah, eben in Sichtweite und schön mit Fieberklee harmonierend, wächst Kriechender Günsel, in diesem Fall Ajuga reptans ´Braunherz´ mit attraktiv glänzenden braunroten Blättern. Aber ein gewisser Abstand muss sein, es wurde schon erwähnt warum. Der Günsel ist eine Pflanze für den äußeren Bereich der bodenfeuchten Randzone, wo die Erde praktisch immer ausreichend frisch, jedoch nicht nass ist. Da gedeiht er gut, deckt mit hübschen Blättern die Erde, auch im Winter, entwickelt zudem im Juni intensiv blaue Blütenstände, die mit den reinweißen des Fieberklees harmonieren. 

Die anspruchslose Staude lässt sich mithilfe der sich bildenden Ausläufer leicht vermehren, da ältere oft schon zumindest Wurzelansätze haben. Jedenfalls sind Fieberklee und Günsel ein eingängiges Beispiel dafür, wie wichtig es ist, auf die Ansprüche von Pflanzen zu achten und sie nach ihren und nicht den eigenen, mitunter entgegengesetzten Wünschen zu verwenden. 


März/April

Man kann Löwenmaul sagen oder Löwenmäulchen zu dieser Pflanze, doch es gibt einen feinen Unterschied. Das Löwenmaul ist eine Sommerblume wie viele, das Löwenmäulchen (Anthirrinum majus) ist was Extras: man hat es gern. Die Verkleinerungsform „chen“ findet sich bei etlichen Pflanzen, zu denen Menschen ein besonderes Verhältnis haben. In die Liga der sehr beliebten Bekannten gehören neben Löwenmäulchen Schneeglöckchen, Maiglöckchen, Marienblümchen, es würden sich sicher noch weitere finden lassen. Das Löwenmäulchen punktet mit interessanten Blüten, die ihr Maul aufreißen, wenn man seitwärst drückt. Einmal in jedem Sommer muss das sein, ein Spiel für Kinder und Erwachsene, sofern sie Kinder blieben.

Das herzliche Verhältnis zu Löwenmäulchen hat aber auch praktische Gründe. Löwenmäulchen blühen bunt und farbkräftig lange von Juli bis Frost, bringen nachhaltig Farbe in den Garten, und man kann sie selbst anziehen. Dazu muss man wissen, dass sich junge Löwenmäulchen zunächst bei kühler Anzucht langsam entwickeln sollen. Man sät deswegen unter Umständen bereits im Februar, gewöhnlich im März, immer unter Schutz, in Schalen mit Anzuchtsubstrat, vorteilhaft eine niedrige und eine hohe Mischung für verschiedenste Zwecke. Löwenmäulchensamen ist fein. Man muss recht dünn säen und deckt nur mit Sand ab. Die günstigste Keimtemperatur beträgt etwa 12 Grad. Hält man gleichmäßig feucht, keimen die Körner nach zwei bis drei Wochen.

Dann genügen acht bis zehn Grad Celsius. Viel Licht und Luft geben den Pflanzen den wünschenswert gedrungenen Wuchs. Sobald sich die Keimlinge fassen lassen, spätestens wenn sie sich gegenseitig berühren, wird pikiert im Abstand von vier mal vier Zentimetern oder gleich mit etwas größerem Abstand oder noch besser in kleine Töpfe, so dass sie nicht noch einmal versetzt werden müssen. Die jungen Pflanzen stehen weiterhin kühl und werden möglichst vormittags gegossen, damit sie bis abends abtrocknen.

Im April oder Mai wird an Ort und Stelle gepflanzt. Löwenmäulchen haben, da sie ursprünglich aus dem westlichen Mittelmeergebiet stammen, einiges für Wärme übrig. Sie lieben sonnige Plätze, kommen mit wenig Wasser aus, leiden jedoch bei großer Trockenheit, wie die meisten Sommerblumen. Hohen Sorten hilft Windschutz, aufrecht zu bleiben. Im Übrigen sind Löwenmäulchen keine Lückenbüßer. Sie brauchen gute, genügend nährstoffreiche Erde. Alle blühen bestens, wenn man die Pflanzen regelmäßig durchputzt und Verblühtes entfernt. Löwenmäulchen können sogar überwintern und blühen im nächsten Jahr wieder, wenn sie an einem etwas geschützten Platz stehen und mit Gartenhäcksel oder ähnlich gemulcht wird. Doch aufgepasst. Überwinterte Pflanzen erkranken besonders leicht an Löwenmaulrost, stehen sie lange zu feucht. Sie bekommen fleckige Blätter und blühen schlecht.


Januar/Februar


 

Die Pfeifenwinde heißt botanisch Aristolochia macrophylla. Wenn ich mit der Pfeifenwinde im eigenen Garten rede, nenne ich sie Blattmadame, denn ihre Blätter sind das Größte. Ein Gespräch wird hin und wieder nötig, wenn Blattmadame zu sehr das macht, was sie am liebsten macht, nämlich Blätter wachsen lassen, riesige Blätter, viele Blätter an langen, schlingenden Armen, mit denen sie umwindet, was passend steht. Passend für Blattmadame ist hier ein Rankgitter aus stabiler Baustahlmatte an der Südseite des Carports. Wozu eine Garage, wenn eine Baustahlmatte und ein Rankgewächs vom Kaliber einer Aristolochia genügen als schützende Seitenwand. Die macht aus heißer Sommersonne ein schattiges Plätzchen fürs Auto und verbirgt es außerdem ein bisschen, denn Autos sind ja an sich keine Augenweide.

Blattmadame verliert allerdings im Herbst ihre Blätter, aber in jedem Frühjahr treibt sie aus und blüht bald danach. Da muss man aufpassen, denn andernfalls könnten einem die Blüten entgehen. Sie sitzen zwischen den jungen Blättern ziemlich versteckt, gern an der der Sonne abgewandten Seite, sind unauffällig gelbgrünbraun gefärbt. Man könnte sie glatt übersehen. 

Das wäre schade, denn sie sind mehrfach interessant. Ihre Form macht ohne Weiteres klar, warum die Pfeifenwinde zu Deutsch Pfeifenwinde heißt. Die Blüten gleichen, mit gekrümmtem Stiel und Pfeifenkopf, akkurat einer Pfeife zu Großvaters Zeiten. In der nordamerikanischen Heimat dieser Schlingpflanze werden die Blüten von Fliegen bestäubt, nachdem sie von deren aasähnlichem Geruch angezogen wurden. Keine Angst: Der Geruch ist minimal, meist für Menschen nicht wahrnehmbar. Auch Fliegen habe ich noch nie beobachtet, keine Früchte, keine Samen. Wozu auch, eine Blattmadame reicht völlig! 

Die macht sich seit Jahrzehnten prächtig. Ich muss oft bremsen, wenn sie aufs Dach das Carports klettern will, was sie leicht könnte, doch wäre das nicht gut, denn Regenwasser soll zügig ablaufen und mit der Zeit würde das Gewicht der Pfeifenwinde recht schwer. Also schneide ich während der Vegetationszeit weg, was zu viel ist, und im Nachwinter vor Austrieb stutze ich auch, mitunter gehörig, sodass alles wieder passt. Selbst starker Schnitt macht der Pflanze nichts aus. Sie wächst ungeniert von Neuem, verschwendet sich in der Bildung neuer schöner, großer, herzförmiger, bis 30 Zentimeter groß werdender Blätter, die sich schuppenförmig übereinanderlegen. 

Um ihr einen Gefallen zu tun, sollte man die Pfeifenwinde wegen der großen Blätter an einen etwas windstilleren Platz setzen, wie ihn auch die benachbarte winterharte Fuchsie gernhat. Vor Nordwind schützt die gegenseitige Bretterwand des Carports, und auch das Haus sorgt für angenehme Umstände. Im Herbst bleibt das Falllaub als Mulch liegen. Gepflanzt wird nach dem Winter vor dem Austrieb.

2020


November/Dezember


 

Im Idealfall bilden Haus und Garten eine Einheit. Das Gegenteil ist: hier Haus, dort Garten, übergangslos gegenübergestellt. In solchem Fall haben Haus und Garten so gut wie nichts miteinander zu tun. Das kann unter Umständen sehr akkurat aussehen, aber auch sehr nüchtern, um nicht zu sagen kühl und abweisend. Ein anderes Bild, ein anderes Gefühl ergibt sich, wenn der Garten mit Pflanzen unmittelbar an das Haus herangeführt wird. 

Es genügt nicht, zum Beispiel eine Rasen- oder Blumenwiesenfläche mit angrenzendem Weg bis zur Hauswand anzulegen. Besser ist es, wenn der Garten allmählich ansteigend auf das Haus zukommt. Weiter entfernt setzt man niedrige Gewächse, dann etwas höhere, staffelt das Ganze, bis zum Schluss ein schon höheres Gehölz den Sockel verdeckt und so das Haus in den Garten einbezieht. Besonders schön machen sich an solchen Stellen eine Zwergmispel mit dem botanischen Namen Cotoneaster horizontalis und der Gelbbunte Spindelstrauch Euonymus fortunei ´Emerald Gold´, so beide in meinem Garten.

Die Zwergmispel wächst fischgrätenartig verzweigt in normalem Stand etwa einen Meter hoch. Pflanzt man sie vor eine Hauswand, legt sie ihre Zweige an die Mauer bis gut zwei Meter hoch, ohne umzufallen, und begrünt so den Haussockel. Im Juni blüht sie mit kleinen, sehr bienenfreundlichen Blüten, im Herbst bereiten viele kleine, kugelrunde rote Früchte Vögeln Freude. Dazu färben sich die im Sommer glänzend grünen Blättchen ebenfalls rötlich. 

Das ist noch nicht alles. Das Gehölz ist frosthart, verträgt Hitze und Trockenheit, Stadtklima und Wind in freier Lage. Es kommt noch etwas Wichtiges hinzu: Sie wächst sowohl in schwach saurem wie in kalkhaltigem Boden, und wo es im Bereich von Gebäudemauern verhältnismäßig trocken ist, verträgt sie auch das. Sollte sie mal über Fensterbrüstungen hinauswachsen, einfach zurückschneiden. Alles in allem: ein Tausendsassa.

Und nun der Gelbbunte Spindelstrauch. Der ist auf seine Weise ebenfalls bemerkenswert. Erstens haben seine Blätter starken reingelben Anteil, sodass sie von Ferne leuchtend gelb wirken. Im Frühjahr, wenn es sonst noch nicht sehr bunt im Garten ist, überzeugen sie als intensiver Farbklecks. 

Auch der Spindelstrauch lehnt sich gern an Mauern an, ist aber weniger standfest, sodass man ihm am besten mit einem quer gespannten dünnen Draht etwas Halt gibt, begrenzt die Höhe auf 150 bis 200 Zentimeter oder ähnlich. Die Triebe zu den Seiten und in der Höhe öfter sanft entspitzen, damit das Ganze kompakt bleibt.

Dieser Spindelstrauch kann Südsonne vertragen und etwas Trockenheit, jedoch keine Dürre und harten Winterfrost. Deswegen ist eine geschützte Westmauer sicherlich besser als exponierte Südlage. Als ganzjähriger Farbträger klasse!