2021


November/Dezember

Die Myrte, Venus und Aphrodite
Eine Pflanze mit langer Tradition

Geheiratet wird immer, und immer noch kommt dabei die Myrte ins Spiel, dies immergrüne Sträuchlein aus dem Mittelmeerraum mit den feinen Trieben und kleinen glänzenden Blättern, denn Myrten liefern das Material zum Kranz für die Braut, zum Sträußlein für den Bräutigam. Warum? Schon die antiken Völker hatten ein Faible für die Myrte, nicht nur, weil sie mit ihren weißen Blüten zu grünen Blättern hübsch aussieht, sondern weil sie in Symbolik, Kosmetik und Küche wichtige Rollen übernimmt. Bei den alten Griechen war die Myr-
te der Aphrodite geweiht, Göttin der Liebe und Schönheit. Die Römer stellten sie zu ihrer Liebesgöttin Venus. Schon damals war Myrtenschmuck üblich, übrigens auch für Männer, die sich, nachdem sie sich hervortaten, durchaus gern mit Kränzen schmückten. In der Küche war Myrte gänzlich unentbehrlich, denn dazumal erfüllte sie Aufgaben, die später dem Pfeffer zufielen. Sie machte Speisen handfester. Drittens gab es Myrtenöl. Man brauchte es im Haushalt bei allerlei Gelegenheit, um es angenehm riechen zu lassen, verwendete es kosmetisch und zu Heilzwecken, besonders um Atemwegsbeschwerden zu mildern. All das ist immer noch aktuell.



Wir haben es also mit einer universellen Pflanze zu tun. Ganz selbstverständlich breitete sich das Wissen und der gekonnte Umgang mit Myrte zu den unterschiedlichsten Zwecken über die Grenzen des Römischen Reiches hinweg auch in die Länder nördlich der Alpen aus. Da dort das Klima wesentlich rauer ist und mit frostigen Wintern keinen ganzjährigen Aufenthalt draußen erlaubt, wurde die Myrte zur Zimmerpflanze oder wohl besser zur Kübelpflanze umstrukturiert, nicht nur, um dann später bei Gelegenheit Material für einen Brautkranz zu haben, sondern weil die Pflanze einfach hübsch ist, zu vielerlei brauchbar und gut zu halten. 



Wer eine Myrte pflegen will, möglichst über Jahrzehnte, sollte berücksichtigen, dass sie viel frische Luft braucht, sowohl im Sommer als auch im Winter. Im Winter ist sie am besten in einem hellen, kühlen Wintergarten bei plus fünf, höchstens zehn Grad Celsius untergebracht, wird mit weichem Wasser so gegossen, dass das Substrat nicht austrocknet, und nicht gedüngt. Im Nachwinter werden noch jüngere Exemplare jährlich in etwas größere Töpfe umgesetzt, nie tiefer, als sie zuvor standen, in übliche Kübelpflanzenerde. Zu gleicher Zeit kann behutsamer Rückschnitt erfolgen. Bei zu starkem Rückschnitt leidet die Blühfähigkeit. Sobald die Witterung es zulässt, sollte die Myrte draußen an einem warmen, halbsonnigen Platz stehen, wo so gegossen wird, dass das Substrat möglichst gleichmäßig feucht ist, weder zu trocken noch vernässt.


Beides würde die Myrte übel nehmen. Damit sie sich gut entwickelt, von April bis Spätsommer regelmäßig düngen.


September/Oktober

Es ist eine Freude, dem Herbst zuzusehen, wie er Baum und Strauch so wunderbar bunt schmückt, die einen noch schöner als die anderen, so auch Zwergmispeln, die Gartenbesitzer oft besser unter der Bezeichnung Cotoneaster kennen. Mancher wird sagen, „Ach, das grüne Zeug, das am Boden herumkriecht“. Die sind hier nicht gemeint, sondern höher werdende Arten, die sich sehr gut in den immergrünen Rahmen für Haus und Garten einfügen, sich mit mittlerer Größe anpassen und nicht wie wüchsigere Gehölze den Garten eng machen. Es muss ja immer noch genügend Freiraum bleiben zwischen einzelnen Pflanzen, zwischen Gruppen, damit sich alle frei entfalten können und voll zur Geltung kommen. Es handelt sich bei den Cotoneasterarten durchweg um gute Bienennährgehölze und die Vögel lieben in Herbst und Winter die nahrhaften Früchte. Sie sind also nicht nur gärtnerisch interessant, sondern stellen auch eine schöne Ergänzung zu unserer einheimischen Flora dar, die als Futterspender für Insekten und Vögel nützlich ist. 

Die infrage kommenden Zwergmispelarten oder -sorten gefallen mit wintergrünen oder zumindest halbwintergrünen Blättern und roten Früchten. Als Erster sei Cotoneaster frigidus ´Cornubia´ genannt, ein starkwüchsiger Strauch mit trichterförmig angeordneten Zweigen, der drei bis vier Meter hoch wird und sich mit der Zeit drei Meter ausbreitet. Im Juni blüht ´Cornubia´ mit weißen, schirmartigen Blütenständen. Ihnen folgen im Herbst viele intensiv rote Früchte, die, das ist besonders wichtig, bis ins Frühjahr halten, da sie nicht von Vögeln gefressen werden. Man muss den Freiraum, den dieser Strauch braucht, unbedingt beachten, damit er seine volle Schönheit entfalten kann, ihn nicht zwischen andere Gehölze zwängen und womöglich „passend“ schneiden, wenn es eng wird.

Cotoneaster salicifolius ´Floccosus´ wird drei, auch mal fünf Meter hoch und drei Meter breit, ist also ebenfalls angewiesen auf genügend Platz. Den weißen Blüten im Juni folgen orangerote Früchte. Die Sorte ´Herbstfeuer´ bleibt mit 40 bis 50 Zentimetern erheblich niedriger, wird dazu dreimal so breit, bildet hellrote Früchte, die bis ins Frühjahr halten, weil Vögel sie erst spät bemerken.

Eine schwungvolle Schönheit ist Cotoneaster x watereri ´Pendulus´. Von Natur aus wächst dieser Strauch niederliegend, doch kann man die Haupttriebe stäben, sodass dann die Seitenäste bogig überhängen. Das macht sich zum Beispiel gut, falls er von der einen Seite einer Sichtschutzwand auf die andere überhängt. Hübsch sieht es auch aus, wenn ´Pendulus´ in einem Kübel steht, unterpflanzt mit Schneeheide oder spätblühendem Heidekraut. 

Dieser Cotoneaster ist allerdings etwas empfindlich gegen starken Frost sowie große Temperaturunterschiede zwischen klaren Winternächten und -tagen. Man sollte ihn an sonnigen Plätzen im Winter ein bisschen schattieren, vor Ostwind und -sonne schützen. Auch ´Pendulus´ bildet viele rote lang haltende Früchte. 

Wir wollen Cotoneaster bullatus nicht vergessen, drei Meter hoch werdend, gelegentlich mehr, jedoch nicht wintergrün, dafür mit vielen lebhaft roten Früchten.


Juli/August

Schnittblume aus dem Garten
Wir holen uns im Sommer nicht Rosen, Gerbera, Nelken oder was sonst Floristen standardgemäß an Schnittblumen anbieten, sondern Blüten aus dem eigenen Garten, wo es hoffentlich blüht im Überfluss und wir uns bedienen nach Herzenslust. Da kommt es nicht auf lange Haltbarkeit an. Wir sind ja die Verwalter des Überflusses. Besonders üppig geht es zu, wenn der vorher übliche reingrüne Rasen in eine bunte Blumenwiese verwandelt wurde, Insekten und allen möglichen anderen Tieren zum Nutzen. 

Da kommt es nicht auf kürzere oder längere Haltbarkeit der verschiedenen Blüten in Vasen oder Schalen an. Wir schneiden möglichst morgens, nachdem Nachtkühle die Pflanzen und Blüten erfrischten. Man sollte sich die kleine Mühe machen, alles Blattgrün, das ins Vasenwasser gelangen würde, von den Stängeln zu zupfen und das Vaseninnere nach jedem Gebrauch gründlich zu säubern, damit sich keine Fäulnisbakterien ansiedeln und die Haltbarkeit verkürzen. Alle paar Tage gibt es einen neuen Strauß, vielleicht für den freundlichen Nachbarn gleich mit.
Wer gezielter vorgehen möchte und dafür ausreichend Platz hat, erfährt bald, wie praktisch ein, zwei Schnittblumenbeete als Teil des Nutzgartens sind. Hier wird gesät und gepflanzt, was sich als Schnittblume mit guter Haltbarkeit auch in der Vase bewährt. An Einjahrsblumen wären das Löwenmäulchen, Astern, Gaillardien, Schöngesicht, Jungfer im Grünen, Rudbeckien, Sonnenblumen, Nelken, Zinnien, Studentenblumen, Ringelblumen, Kornblumen, allerlei Chrysanthemen, Wicken und andere, ergänzt durch Dahlien und Gladiolen. Auf ein Beet für Stauden gehören unbedingt Chrysanthemen, Astilben, Nelken, Feinstrahl, viele Astern für Sommer- und Herbstschnitt, Rudbeckien, Sonnenhüte, Sonnenbraut, Scabiosen, Goldrute, Ehrenpreis. 

Wenn man so auf Nutzbeeten kultiviert, braucht man nicht darauf zu achten, dass nur so viele Blüten geschnitten werden, dass es den Gesamteindruck nicht stört, sondern kann richtig zulangen, unter Umständen bei Stauden sogar stark herunterschneiden, damit die Pflanzen sich von unten erneuern. Staudige Schnittblumenlieferanten haben dann noch den Vorzug, dass man nicht jedes Jahr neu anlegen muss, sondern das Beet viele Jahre Blüten liefert, vor allem wenn man rechtzeitig mit Wasser und Nährstoffen dafür sorgt, dass sie kräftig für Nachschub bleiben.
Wer die Blütenfülle über Sommer und Herbst hinaus bis in den Winter und ins nächste Jahr erhalten will, widme seine Aufmerksamkeit auch jenen Blüten, die man trocknen und so haltbar machen kann. Dazu eignen sich Statizie, Strohblumen, Sonnenflügel, Disteln, Schafgarbe, Immortelle, Ziermais, Karde, Bärenklau, Wilde Möhre, verschiedene Gräser. So ist man das ganze Jahr versorgt mit Blüten aus dem eigenen Garten.


Mai/Juni

Die Bougainvillea gehört zu den Wunderblumengewächsen. Die Pflanze liebt über alles Sonne und Wärme. Ohne ausreichendes Quantum davon geht nichts. Während des sommerlichen Aufenthaltes im Freien braucht sie darum einen möglichst sonnigen, warmen Platz. Deswegen werden Bougainvilleen gern vor Südwänden oder Südmauern platziert, wo die Sonne sie nicht nur von vorne bescheint, sondern ihnen indirekt auch den Rücken wärmt. An solchen Plätzen haben die Pflanzen gewaltigen Durst und bei flottem Wachstum großen Nährstoffbedarf, müssen deswegen im Sommer mitunter sogar zweimal täglich gegossen und etwa alle acht Tage am besten flüssig gedüngt werden. Sollte eine Pflanze mäßig blühen, wurde sie eventuell mit zu reichlichem Gießen und Düngen davon abgehalten. Dann muss man sie eine Weile kürzerhalten.

Bougainvillea glabra wirft je nach Umständen ihre Blätter im Herbst ab oder behält sie teilweise, ist demnach halbimmergrün. Ab Ende September wird sie ziemlich trocken gehalten. Man achte sehr darauf, dass sie im Herbst nicht zu nass steht und zusätzlich frühen Frost aushalten muss. Daher schützt man zum Schluss vor Kälte und Regen.



Wird es endgültig ungemütlich draußen, kommt die Pflanze im Haus an einen kühlen, nur fünf, höchstens acht Grad Celsius warmen, möglichst hellen Platz. Während des Winters wird nur so viel gegossen, dass das Substrat nicht austrocknet, und selbstverständlich nicht gedüngt. Bei Triebbeginn im Nachwinter topft man in frisches, kräftiges, lehmhaltiges Substrat und eventuell größeres Gefäß um, schneidet gegebenenfalls zugleich mehr oder weniger kräftig zurück, damit die Pflanze kompakt bleibt. Während der Wachstumszeit dient rechtzeitiges Kürzen entstehender Langtriebe demselben Ziel. 



Im Garten leben viele Pflanzen ziemlich eng beieinander, oft auf Sichtweite. Enges Nebeneinander geht indes nicht immer gut, denn manche Pflanzen trennen Welten. So geht es Fieberklee und Günsel, Fieberklee als Staude für die Flachwasserzone, Günsel für Randzonen mit frischem Erdreich. Günsel würde im Standort von Fieberklee ertrinken, Fieberklee im Reich von Günsel verdursten. Nur ein paar Zentimeter trennen mitunter die beiden Bezirke voneinander. Gartenbesitzer müssen deswegen möglichst immer wissen: Welche Pflanze pflanze ich wo?  



Fieberklee, (Menyanthes trifoliata) ist im nördlichen Europa und ähnlichen Gebieten beheimatet. Wassertümpel in Mooren oder sonstige Teiche sind sein Revier, wo er die Flachwasser- oder Uferzone mit einer Wassertiefe bis 30 Zentimeter besiedelt. Fieberklee heißt dies Gewächs, weil es medizinisch genutzt werden kann bei fiebrigen Erkältungen und dergleichen, was jedoch inzwischen ziemlich selten geschieht. Als Klee wird er bezeichnet, weil seine Blätter kleeähnlich sind, nur wesentlich größer und fetter. Die Pflanze wurzelt im Teichgrund mit hohlen Stängeln, bildet Grün über dem Wasser, im Juni Blütenähren, die nur etwa 30 Zentimeter hoch werden, also wenig auffällig sind, deren weiße Blüten sich bei genauerem Hinsehen als überraschend reizvolle, gewimperte Schönheiten herausstellen.  

Ganz nah, eben in Sichtweite und schön mit Fieberklee harmonierend, wächst Kriechender Günsel, in diesem Fall Ajuga reptans ´Braunherz´ mit attraktiv glänzenden braunroten Blättern. Aber ein gewisser Abstand muss sein, es wurde schon erwähnt warum. Der Günsel ist eine Pflanze für den äußeren Bereich der bodenfeuchten Randzone, wo die Erde praktisch immer ausreichend frisch, jedoch nicht nass ist. Da gedeiht er gut, deckt mit hübschen Blättern die Erde, auch im Winter, entwickelt zudem im Juni intensiv blaue Blütenstände, die mit den reinweißen des Fieberklees harmonieren. 

Die anspruchslose Staude lässt sich mithilfe der sich bildenden Ausläufer leicht vermehren, da ältere oft schon zumindest Wurzelansätze haben. Jedenfalls sind Fieberklee und Günsel ein eingängiges Beispiel dafür, wie wichtig es ist, auf die Ansprüche von Pflanzen zu achten und sie nach ihren und nicht den eigenen, mitunter entgegengesetzten Wünschen zu verwenden. 


März/April

Man kann Löwenmaul sagen oder Löwenmäulchen zu dieser Pflanze, doch es gibt einen feinen Unterschied. Das Löwenmaul ist eine Sommerblume wie viele, das Löwenmäulchen (Anthirrinum majus) ist was Extras: man hat es gern. Die Verkleinerungsform „chen“ findet sich bei etlichen Pflanzen, zu denen Menschen ein besonderes Verhältnis haben. In die Liga der sehr beliebten Bekannten gehören neben Löwenmäulchen Schneeglöckchen, Maiglöckchen, Marienblümchen, es würden sich sicher noch weitere finden lassen. Das Löwenmäulchen punktet mit interessanten Blüten, die ihr Maul aufreißen, wenn man seitwärst drückt. Einmal in jedem Sommer muss das sein, ein Spiel für Kinder und Erwachsene, sofern sie Kinder blieben.

Das herzliche Verhältnis zu Löwenmäulchen hat aber auch praktische Gründe. Löwenmäulchen blühen bunt und farbkräftig lange von Juli bis Frost, bringen nachhaltig Farbe in den Garten, und man kann sie selbst anziehen. Dazu muss man wissen, dass sich junge Löwenmäulchen zunächst bei kühler Anzucht langsam entwickeln sollen. Man sät deswegen unter Umständen bereits im Februar, gewöhnlich im März, immer unter Schutz, in Schalen mit Anzuchtsubstrat, vorteilhaft eine niedrige und eine hohe Mischung für verschiedenste Zwecke. Löwenmäulchensamen ist fein. Man muss recht dünn säen und deckt nur mit Sand ab. Die günstigste Keimtemperatur beträgt etwa 12 Grad. Hält man gleichmäßig feucht, keimen die Körner nach zwei bis drei Wochen.

Dann genügen acht bis zehn Grad Celsius. Viel Licht und Luft geben den Pflanzen den wünschenswert gedrungenen Wuchs. Sobald sich die Keimlinge fassen lassen, spätestens wenn sie sich gegenseitig berühren, wird pikiert im Abstand von vier mal vier Zentimetern oder gleich mit etwas größerem Abstand oder noch besser in kleine Töpfe, so dass sie nicht noch einmal versetzt werden müssen. Die jungen Pflanzen stehen weiterhin kühl und werden möglichst vormittags gegossen, damit sie bis abends abtrocknen.

Im April oder Mai wird an Ort und Stelle gepflanzt. Löwenmäulchen haben, da sie ursprünglich aus dem westlichen Mittelmeergebiet stammen, einiges für Wärme übrig. Sie lieben sonnige Plätze, kommen mit wenig Wasser aus, leiden jedoch bei großer Trockenheit, wie die meisten Sommerblumen. Hohen Sorten hilft Windschutz, aufrecht zu bleiben. Im Übrigen sind Löwenmäulchen keine Lückenbüßer. Sie brauchen gute, genügend nährstoffreiche Erde. Alle blühen bestens, wenn man die Pflanzen regelmäßig durchputzt und Verblühtes entfernt. Löwenmäulchen können sogar überwintern und blühen im nächsten Jahr wieder, wenn sie an einem etwas geschützten Platz stehen und mit Gartenhäcksel oder ähnlich gemulcht wird. Doch aufgepasst. Überwinterte Pflanzen erkranken besonders leicht an Löwenmaulrost, stehen sie lange zu feucht. Sie bekommen fleckige Blätter und blühen schlecht.


Januar/Februar


 

Die Pfeifenwinde heißt botanisch Aristolochia macrophylla. Wenn ich mit der Pfeifenwinde im eigenen Garten rede, nenne ich sie Blattmadame, denn ihre Blätter sind das Größte. Ein Gespräch wird hin und wieder nötig, wenn Blattmadame zu sehr das macht, was sie am liebsten macht, nämlich Blätter wachsen lassen, riesige Blätter, viele Blätter an langen, schlingenden Armen, mit denen sie umwindet, was passend steht. Passend für Blattmadame ist hier ein Rankgitter aus stabiler Baustahlmatte an der Südseite des Carports. Wozu eine Garage, wenn eine Baustahlmatte und ein Rankgewächs vom Kaliber einer Aristolochia genügen als schützende Seitenwand. Die macht aus heißer Sommersonne ein schattiges Plätzchen fürs Auto und verbirgt es außerdem ein bisschen, denn Autos sind ja an sich keine Augenweide.

Blattmadame verliert allerdings im Herbst ihre Blätter, aber in jedem Frühjahr treibt sie aus und blüht bald danach. Da muss man aufpassen, denn andernfalls könnten einem die Blüten entgehen. Sie sitzen zwischen den jungen Blättern ziemlich versteckt, gern an der der Sonne abgewandten Seite, sind unauffällig gelbgrünbraun gefärbt. Man könnte sie glatt übersehen. 

Das wäre schade, denn sie sind mehrfach interessant. Ihre Form macht ohne Weiteres klar, warum die Pfeifenwinde zu Deutsch Pfeifenwinde heißt. Die Blüten gleichen, mit gekrümmtem Stiel und Pfeifenkopf, akkurat einer Pfeife zu Großvaters Zeiten. In der nordamerikanischen Heimat dieser Schlingpflanze werden die Blüten von Fliegen bestäubt, nachdem sie von deren aasähnlichem Geruch angezogen wurden. Keine Angst: Der Geruch ist minimal, meist für Menschen nicht wahrnehmbar. Auch Fliegen habe ich noch nie beobachtet, keine Früchte, keine Samen. Wozu auch, eine Blattmadame reicht völlig! 

Die macht sich seit Jahrzehnten prächtig. Ich muss oft bremsen, wenn sie aufs Dach das Carports klettern will, was sie leicht könnte, doch wäre das nicht gut, denn Regenwasser soll zügig ablaufen und mit der Zeit würde das Gewicht der Pfeifenwinde recht schwer. Also schneide ich während der Vegetationszeit weg, was zu viel ist, und im Nachwinter vor Austrieb stutze ich auch, mitunter gehörig, sodass alles wieder passt. Selbst starker Schnitt macht der Pflanze nichts aus. Sie wächst ungeniert von Neuem, verschwendet sich in der Bildung neuer schöner, großer, herzförmiger, bis 30 Zentimeter groß werdender Blätter, die sich schuppenförmig übereinanderlegen. 

Um ihr einen Gefallen zu tun, sollte man die Pfeifenwinde wegen der großen Blätter an einen etwas windstilleren Platz setzen, wie ihn auch die benachbarte winterharte Fuchsie gernhat. Vor Nordwind schützt die gegenseitige Bretterwand des Carports, und auch das Haus sorgt für angenehme Umstände. Im Herbst bleibt das Falllaub als Mulch liegen. Gepflanzt wird nach dem Winter vor dem Austrieb.

2020


November/Dezember


 

Im Idealfall bilden Haus und Garten eine Einheit. Das Gegenteil ist: hier Haus, dort Garten, übergangslos gegenübergestellt. In solchem Fall haben Haus und Garten so gut wie nichts miteinander zu tun. Das kann unter Umständen sehr akkurat aussehen, aber auch sehr nüchtern, um nicht zu sagen kühl und abweisend. Ein anderes Bild, ein anderes Gefühl ergibt sich, wenn der Garten mit Pflanzen unmittelbar an das Haus herangeführt wird. 

Es genügt nicht, zum Beispiel eine Rasen- oder Blumenwiesenfläche mit angrenzendem Weg bis zur Hauswand anzulegen. Besser ist es, wenn der Garten allmählich ansteigend auf das Haus zukommt. Weiter entfernt setzt man niedrige Gewächse, dann etwas höhere, staffelt das Ganze, bis zum Schluss ein schon höheres Gehölz den Sockel verdeckt und so das Haus in den Garten einbezieht. Besonders schön machen sich an solchen Stellen eine Zwergmispel mit dem botanischen Namen Cotoneaster horizontalis und der Gelbbunte Spindelstrauch Euonymus fortunei ´Emerald Gold´, so beide in meinem Garten.

Die Zwergmispel wächst fischgrätenartig verzweigt in normalem Stand etwa einen Meter hoch. Pflanzt man sie vor eine Hauswand, legt sie ihre Zweige an die Mauer bis gut zwei Meter hoch, ohne umzufallen, und begrünt so den Haussockel. Im Juni blüht sie mit kleinen, sehr bienenfreundlichen Blüten, im Herbst bereiten viele kleine, kugelrunde rote Früchte Vögeln Freude. Dazu färben sich die im Sommer glänzend grünen Blättchen ebenfalls rötlich. 

Das ist noch nicht alles. Das Gehölz ist frosthart, verträgt Hitze und Trockenheit, Stadtklima und Wind in freier Lage. Es kommt noch etwas Wichtiges hinzu: Sie wächst sowohl in schwach saurem wie in kalkhaltigem Boden, und wo es im Bereich von Gebäudemauern verhältnismäßig trocken ist, verträgt sie auch das. Sollte sie mal über Fensterbrüstungen hinauswachsen, einfach zurückschneiden. Alles in allem: ein Tausendsassa.

Und nun der Gelbbunte Spindelstrauch. Der ist auf seine Weise ebenfalls bemerkenswert. Erstens haben seine Blätter starken reingelben Anteil, sodass sie von Ferne leuchtend gelb wirken. Im Frühjahr, wenn es sonst noch nicht sehr bunt im Garten ist, überzeugen sie als intensiver Farbklecks. 

Auch der Spindelstrauch lehnt sich gern an Mauern an, ist aber weniger standfest, sodass man ihm am besten mit einem quer gespannten dünnen Draht etwas Halt gibt, begrenzt die Höhe auf 150 bis 200 Zentimeter oder ähnlich. Die Triebe zu den Seiten und in der Höhe öfter sanft entspitzen, damit das Ganze kompakt bleibt.

Dieser Spindelstrauch kann Südsonne vertragen und etwas Trockenheit, jedoch keine Dürre und harten Winterfrost. Deswegen ist eine geschützte Westmauer sicherlich besser als exponierte Südlage. Als ganzjähriger Farbträger klasse!